Der Armenische Sommer-Jugendtreff 2026 – Exposé von Elina Gevorkjan

Datum: 22. – 25.05.2026

Ort: Jugendherberge Fulda

Der  Sommer-Jugendtreff 2026 war mein erster Jugendtreff dieser Art, entsprechend groß war die Vorfreude, aber auch die Aufregung. Im Vorfeld hatte ich viele Fragen und wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Doch schon bei meiner Ankunft am Freitagabend in der Jugendherberge wurden alle Zweifel schnell zerstreut. Ich wurde von bekannten Gesichtern und herzlichen Menschen empfangen und fühlte mich sofort willkommen. Da einige Teilnehmende verspätet eintrafen, verschob sich das offizielle Programm etwas. Wirklich bemerkt hat das jedoch niemand, denn die Zeit wurde mit spannenden Gesprächen überbrückt. Nach einer kurzen Vorstellung von ARI und dem Vorstand waren wir an der Reihe. Mithilfe einiger persönlicher Fakten und des letzten armenischen Liedes, das wir gehört hatten, lernten wir uns gegenseitig kennen. Mit jedem weiteren Spiel wurde die Stimmung lockerer. Aus anfänglicher Zurückhaltung entstanden schnell Gespräche, gemeinsames Lachen und neue Bekanntschaften. Ehe wir uns versahen, war es bereits weit nach Mitternacht. An Schlaf dachte jedoch noch niemand. Im Aufenthaltsraum wurde gesungen, getanzt, getrommelt sowie Tischkicker und Tischtennis gespielt  und das bis in die frühen Morgenstunden.

Der Samstag begann mit Stationsspielen. Dafür wurden wir bunt gemischt und in kleine Teams eingeteilt. So hatte man die Möglichkeit, auch mit Personen Zeit zu verbringen, mit denen man am Vorabend noch nicht ins Gespräch gekommen war. An insgesamt acht Stationen warteten abwechslungsreiche Herausforderungen auf uns: von Tabu und „Wer bin ich?“ über ein Geschichtsquiz zu Armenien bis hin zu Geschicklichkeits- und Laufspielen. Teamgeist, Kreativität und vor allem jede Menge Spaß standen dabei im Mittelpunkt. Nach den Spielen blieb ausreichend Zeit für eine längere Mittagspause. Das sonnige Wetter lockte viele nach draußen, wo Volleyball und Badminton gespielt wurden. Andere machten es sich auf Picknickdecken gemütlich und genossen die gemeinsame Zeit. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Spaziergang mit einer kleineren Gruppe und konnte dabei die schöne Umgebung und Natur rund um die Jugendherberge genießen. Am Nachmittag standen zwei Workshops zur Auswahl: „Parlamentswahlen 2026“ und der „Producing Workshop“. Meine Wahl fiel auf den Producing Workshop. Dort erhielten wir spannende Einblicke in die Entstehung von Beats und Melodien. Anschließend konnten wir selbst kreativ werden und in kleinen Gruppen eigene Musikstücke entwickeln. Gemeinsam arbeiteten wir sogar an einem ARI-Song. Auch vom parallel stattfindenden Workshop zu den Parlamentswahlen hörte ich später viel Positives.

Am Abend verwandelte sich der Innenhof nach und nach in eine bunte Hawaii-Kulisse. Gemeinsam wurde dekoriert und vorbereitet, bevor um 21 Uhr die Party begann. Die Tanzfläche blieb den ganzen Abend gefüllt. Dank des großartigen DJ-Teams folgte ein Hit auf den nächsten, sodass kaum jemand stillsitzen wollte. Die Begeisterung und Energie der Teilnehmenden waren ansteckend und sorgten für eine unvergessliche Stimmung.

Der Sonntag begann für viele von uns etwas verschlafen. Nach der langen Nacht fiel das frühe Aufstehen nicht leicht. Um den Morgen entspannt zu gestalten, standen zwei Workshops zur Auswahl: Malen und Tanzen. Während einige die ruhige Atmosphäre des Malworkshops nutzten, entschied ich mich für den Tanzworkshop, der von Mitgliedern der Khoyak-Folkloretanzgruppe geleitet wurde. Neben den Tänzen bot sich auch hier die Gelegenheit für viele interessante Gespräche und neue Begegnungen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen verbrachten wir die Pause erneut draußen bei bestem Wetter. Anschließend folgte ein Workshop von Hoki zum Thema armenische Identität. In verschiedenen Gruppen tauschten wir uns darüber aus, was es bedeutet, Armenierin oder Armenier zu sein  unabhängig davon, ob man in Armenien oder in der Diaspora aufgewachsen ist. Die Gespräche waren offen, ehrlich und sehr bereichernd. Es wurde über persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und Vorurteile gesprochen. Dabei wurde mir bewusst, wie viele Gemeinsamkeiten uns verbinden und wie ähnlich viele unserer Gedanken und Gefühle sind. Dieser Austausch hinterließ bei mir ein starkes Gefühl von Zusammenhalt und Verständnis. Danach konnten wir bei einer gemeinsamen Meditation etwas zur Ruhe kommen und die zahlreichen Eindrücke des Wochenendes reflektieren. Währenddessen wurde draußen bereits das Khorovats vorbereitet. Der Duft vom Grill verbreitete sich über das gesamte Gelände und sorgte für große Vorfreude auf das Abendessen. Den Abend verbrachten wir schließlich gemeinsam am Lagerfeuer. Es wurde gesungen, Gitarre gespielt, Stockbrot gemacht und viel gelacht. Einige spielten Mafia, andere tanzten weiter oder unterhielten sich einfach in kleinen Gruppen. In dieser entspannten Atmosphäre ließen wir den letzten gemeinsamen Abend ausklingen und genossen jede verbleibende Minute miteinander.

Der letzte Morgen des Jugendtreffs begann mit dem Frühstück und dem anschließenden Räumen der Zimmer. Danach kamen wir noch einmal alle zusammen, um das Wochenende gemeinsam ausklingen zu lassen. Besonders die Diashow mit den Fotos der vergangenen Tage ließ viele Erinnerungen noch einmal lebendig werden. Beim Anblick der Bilder musste ich immer wieder lächeln, denn sie zeigten all die besonderen Momente, die wir gemeinsam erlebt hatten.

Als ich später die Heimreise antrat, spürte ich zwar die Müdigkeit eines ereignisreichen Wochenendes, gleichzeitig, aber auch große Dankbarkeit und Freude. Die vergangenen Tage haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Deshalb bin ich mir sicher, dass dies nicht mein letzter Jugendtreff gewesen sein wird.

Auch wenn ich schon vor dem Jugendtreff Kontakt zu vielen Armenierinnen und Armeniern hatte, war meine Erfahrung bei ARI eine ganz besondere. Von Beginn an spürte ich eine Atmosphäre von Offenheit, Herzlichkeit und gegenseitigem Respekt. Es war ein Ort, an dem ich mich willkommen fühlte und ganz ungezwungen ich selbst sein konnte. Gerade dieses Gefühl von Vertrautheit und Zusammenhalt hat das Wochenende für mich so wertvoll gemacht. ARI hat mir die Möglichkeit gegeben, neue Menschen kennenzulernen, bestehende Bekanntschaften zu vertiefen und echte Freundschaften zu knüpfen. Die gemeinsame armenische Identität verbindet uns auf eine besondere Weise und schafft ein Gefühl von Zugehörigkeit, das weit über dieses Wochenende hinausgeht.

Für mich ist ARI deshalb mehr als nur eine Gemeinschaft – es ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig stärken und ein Stück Heimat miteinander teilen können, unabhängig davon, wo sie aufgewachsen sind oder heute leben.

Zum Abschluss möchte ich mich herzlich beim Vorstand und allen Organisatorinnen und Organisatoren bedanken. Hinter einem solchen Wochenende steckt eine enorme Menge an Planung, Einsatz und Leidenschaft. Während der gesamten Veranstaltung war deutlich zu spüren, mit wie viel Engagement alles vorbereitet und durchgeführt wurde. Gerade diese Hingabe hat den Jugendtreff zu einer so besonderen Erfahrung gemacht.

Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!