Der Armenische Winter-Jugendtreff 2025 – Exposé von Kima Agassian
Datum: 19. – 22.12.2025
Ort: Jugendherberge Himmighausen
Der Winterjugendtreff 2025 war mein erstes Treffen dieser Art, entsprechend groß war meine Aufregung im Vorfeld. Ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde, hatte viele Gedanken im Kopf und gleichzeitig eine große Neugier. Doch kaum war ich in der Jugendherberge angekommen, legte sich diese Aufregung erstaunlich schnell. Es tat gut, bekannte Gesichter zu sehen. Menschen, mit denen ich bereits eine sehr intensive und besondere Zeit in Armenien
erlebt hatte und die mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind. Während nach und nach alle eintrafen, entstanden die ersten Gespräche ganz von selbst. Auch wenn das offizielle Programm etwas später begann als geplant, bekam das außerhalb des Vorstands kaum jemand mit, da die Gespräche bereits in vollem Gange waren. Nach einer kurzen Vorstellung von ARI und dem Vorstand folgte eine Kennenlernrunde, in der jede Person ein paar Fakten über sich teilte. So entstanden schnell erste Eindrücke und Anknüpfungspunkte. Begleitet wurde das Ganze von lockeren Spielen, die die anfängliche Zurückhaltung schnell auflösten. Im Laufe des Abends entstanden ganz selbstverständlich Begegnungen, lebendige Unterhaltungen und neue Bekanntschaften. Anfangs hielt ich mich noch bei den Menschen auf, die ich bereits kannte, doch durch die Offenheit der gesamten Gruppe fiel es leicht, auch neue Kontakte zu knüpfen.
Der Samstag begann mit einem Workshop zum Thema Bindungsstile, geleitet von einigen Mädels von HOKI. Durch die interaktive Gestaltung entstanden schnell persönliche Gespräche, insbesondere durch die Gruppenarbeit mit Rollenspielen zu verschiedenen Bindungsstilen. Am Nachmittag standen zwei Workshopmöglichkeiten zur Auswahl, ein Geschichtsworkshop sowie ein Schriftworkshop. Meine Wahl fiel auf den Schriftworkshop, der von der Mutter eines
Vorstandsmitglieds geleitet wurde. Mit viel Ruhe und Herzlichkeit vermittelte sie ihr Wissen und ihre Lebensweisheiten und schuf eine sehr angenehme Atmosphäre. Gleichzeitig hörte ich von anderen Teilnehmenden viel Positives über den Geschichtsworkshop, sodass ich am liebsten an beiden teilgenommen hätte. Nach einer kurzen Kaffeepause stellte uns der Diaspora Youth Ambassador seine Aufgaben und sein Engagement vor. Besonders beeindruckend war für mich zu sehen, wie aktiv sich junge Armenierinnen und Armenier einbringen und Verantwortung übernehmen.
Am Samstagabend blieb etwas Zeit, um sich fertig zu machen, denn eine Party stand an. Nach dem gemeinsamen Gruppenfoto füllte sich der Raum schnell mit Energie. Begleitet von einem großartigen DJ-Team entstand eine ausgelassene Stimmung, die den Abend zu etwas Besonderem machte.
Der Sonntag begann dementsprechend sehr müde mit der Mitgliederversammlung. Dort blickten wir gemeinsam auf das vergangene Jahr zurück und bekamen einen Ausblick aufkommende Projekte. Anschließend konnten wieder zwei Workshopangebote gewählt werden, ein Tanzworkshop oder die Gestaltung eines Vision Boards. Unabhängig von der Entscheidung blieb eines gleich: Immer wieder entstanden neue Gespräche und Begegnungen. Nach einer weiteren Kaffeepause folgte ein Workshop zum Thema Gleichberechtigung. Dabei ging es unter anderem um die Rolle der Frau, um Homosexualität in der armenischen Gesellschaft sowie um gesellschaftliche Entwicklungen. Besonders schön war es, in diesem Rahmen auch die Mädels von Nor Luyce wiederzusehen, die wir bereits im Sommer kennenlernen durften. Währenddessen bereiteten einige Teilnehmende draußen das Abendessen für alle vor. Wie es sich für Armenier gehört, wurde trotz der winterlichen Kälte Xorovats gegrillt. Dabei wurde selbstverständlich auch an Vegetarier gedacht. Am Abend folgte die Talentshow, ein
Programmpunkt, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie viel Talent, Mut und Offenheit in dieser Gruppe zusammenkamen. Es war wirklich alles dabei, von stillen Gänsehautmomenten bis hin zu Bauchschmerzen vor Lachkrämpfen. Jedes Talent hatte ihren eigenen Charakter und machte sichtbar, wie viel Leidenschaft und Können in unserer Armenischen Gemeinschaft steckt.
Im Anschluss saßen wir noch lange gemeinsam im Aufenthaltsraum. Nach und nach wurde die Runde kleiner, während die Gespräche immer intensiver wurden. Irgendwann fiel der Blick auf die Uhr und plötzlich war es 7:30 Uhr. Wie wir es geschafft haben, die ganze Nacht durchzureden, weiß ich bis heute nicht. Schlafen lohnte sich nicht mehr, also saßen wir am Montagmorgen mit einem gewissen Stolz mit als Erste beim Frühstück.
Nach dem Frühstück wurden die Zimmer geräumt, bevor es in die Abschlussrunde ging. Bei der Diashow mit den Bildern des Wochenendes konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Zu viele schöne Momente, Begegnungen und Erinnerungen zogen noch einmal vorbei und machten deutlich, wie besonders diese Zeit war. Als ich mich schließlich auf den Heimweg machte, war ich müde, aber vor allem glücklich. Dieses Wochenende hat mir sehr viel gegeben, und für mich steht
fest, dass das sicher nicht mein letzter Jugendtreff war.
Gerade weil ich zuvor eher eine gesunde Distanz zu Armenierinnen und Armeniern hatte und kaum Kontakt zu Gleichaltrigen, ist ARI für mich eine Möglichkeit geworden, Menschen kennenzulernen, sich verbunden zu fühlen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. ARI bietet einen Raum, wunderbare Menschen zu treffen, die eine gemeinsame Identität teilen: das Armenischsein. Daraus entsteht ein Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit, ein Stück Heimat, das man hier
in Deutschland wiederfinden kann.
An dieser Stelle möchte ich auch meine Dankbarkeit gegenüber dem Vorstand aussprechen. Ein solches Wochenende kann nur gelingen, wenn viel Arbeit, Herzblut und Engagement dahinterstecken. Genau das war in jeder Hinsicht spürbar und man merkte, wie viel Mühe sich alle Beteiligten gegeben haben, um diesen Jugendtreff zu etwas Besonderem zu machen. Danke <3

















