Der Armenische Sommer-Jugendtreff 2022 – Abschlussbericht von Arian Darat

Vom 03. bis zum 06. Juni 2022 fand der diesjährige armenische Sommer-Jugendtreff von ARI – Jugendverband der Armenier*innen in Deutschland e.V. in Simmerath, in der Nähe von Aachen statt. „Aachen? Das liegt doch auf unserem Weg nach Holland?“ So fragten mich Freunde erst wenige Tage vor dem Jugendtreff, ob ich mit ihnen nach Amsterdam reisen möchte. Doch ich musste ablehnen, denn trotz der großen Unsicherheit darüber, was mich beim Sommer-Jugendtreff von ARI erwarten würde, hatte ich mir fest vorgenommen, dabei zu sein. Doch wie kam ich überhaupt dazu, als Nicht-Armenier am armenischen Sommer-Jugendtreff teilzunehmen?    

„Ich spreche kein Armenisch, leider, und habe auch keine armenischen Wurzeln.“ Diese Erklärung musste ich immer wieder auf dem Jugendtreff geben, denn verständlicherweise wollten alle wissen, was mich dazu bewegte, daran teilzunehmen. Und, naja, die Erklärung ist zu vielschichtig, um sie in einem Satz erklären zu können. Und tatsächlich musste ich auch selbst immer wieder reflektieren, woher mein großes Interesse für die armenische Kultur, Musik, Sprache, Geschichte und die Menschen selbst entspringt und mir immer wieder in verschiedenen Lebenssituationen begegnete.

Meine Eltern kamen vor langer Zeit aus Iran nach Deutschland und mich selbst bewegte es erst 2015/2016 zum ersten Mal in die Heimat meiner Familie, wo ich in Teheran gleich ein ganzes Studienjahr verbrachte. Dort wohnte ich bei meiner Tante, die zufälligerweise in der Nähe des armenischen Viertels von Teheran lebte, wo ich auch meine ersten Freunde fand. 

Doch meine Begeisterung für das Armenische hatte schon früher angeklungen. 

Musik, Folklore, Tanz, die Kunst und der Widerstand waren Elemente der armenischen Kultur, die mich schon früh begeisterten. Sirusho, Inga & Anush und dann später Iveta Mukuchyan waren die ersten armenischen Stimmen im ESC, die mich beeindruckten und mich zu einem Vollblut-Fan für Armenien werden ließen. Es öffnete sich mir eine Pforte, wodurch ich in diese Kultur, die mich einerseits begeisterte und mir andererseits vertraut vorkam, eintauchen und mehr darüber erfahren wollte. Also begann ich zu lesen. Viel zu lesen, zu hören und zu ergründen, woher meine Begeisterung kam. Später fand ich durch mein Studium dann auch mehr über die armenische Community im Iran heraus und begann, darüber zu recherchieren und mich über die Geschichte der iranischen Armenier*innen schlau zu machen. 

Ihr Einfluss und ihre Fußspuren in der persischen Kultur und in der modernen Geschichte Irans waren weitaus größer als ich dachte. Nachdem ich dann schließlich im Iran auch mit Armenierinnen und Armeniern in Kontakt gekommen war, wurde meine Begeisterung besiegelt. Ich schrieb später Hausarbeiten über ihren Einfluss und ihre Partizipation an der ersten iranischen Republik (1905-1911), hörte die Musik von großen iranischen Ikonen, deren Songwriter und Dichter*innen zu einem bemerkenswerten Teil iranische Armenier*innen waren, bis hin zu den großen armenischen Sängern aus dem Iran, wie Vigen, Martik oder Andy, mit denen jede*r Iraner*in aufgewachsen ist. 

Zu der Teilnahme am Sommer-Jugendtreff bewegten mich also zwei Gründe: Einerseits mein persönliches Interesse für die armenische Kultur, Geschichte, Musik und Sprache und andererseits der Kontakt zu Armenier*innen. So lernte ich bereits einige aus dem Vorstand von ARI auf einem Netzwerktreffen des Projektes JEM (Jugendliches Engagement in Migrant:innenorganisationen) von der DJO kennen, worüber ich mich enorm gefreut hatte. Denn es hatte mich schon wieder eingeholt. 

Somit stürzte ich mich auf das Abenteuer, an einem Jugendtreff teilzunehmen, in dem ich niemanden kennen würde und selbst den Vorstand bisher nur virtuell kennenlernen konnte. 

Umso überraschter war ich, dass meine Erwartungen übertroffen wurden. Denn es war nicht nur unglaublich schön, alle in Person kennenzulernen, sich mit den verschiedensten Persönlichkeiten auszutauschen, sondern auch neue Freundschaften zu schließen, die ich bereits ein Tag nach der Abreise vermissen sollte. Es gab wahrlich ein „Davor“ und ein „Danach“.  

Der Jugendtreff wurde vom Vorstand liebevoll organisiert und bot ein diverses Angebot aus inhaltlichem Input zu beispielsweise Unternehmertum in Armenien und Vorträge über Selbstständigkeit in der Arbeitswelt. Es gab außerdem auch ein Gesangsworkshop zu armenischen Volksliedern und Tanz-Workshops, wodurch ich endlich richtig armenisch tanzen lernte. Dank des schönen Wetters haben wir den Samstagnachmittag am See verbringen können und beim traditionellen armenischen Grillen am Sonntag gab es neben Fleisch und Salaten auch Marshmallows am Lagerfeuer.

Die Hintergründe der Teilnehmenden waren sehr divers, wodurch mit Armenier*innen, die Herkünfte aus den verschiedensten Ländern hatten, immer wieder einzigartige multilinguale Situationen entstanden.  

Diese einzigartige Begegnung inspirierte mich, meine Erfahrungen mit meinem Team aus der Jugendinitiative „Ayande“ zu teilen und von der wertvollen Arbeit von ARI zu berichten. Denn wir sind eine gerade erst entstandene Jugendinitiative, die jedoch mit viel Potenzial die allererste bundesweite Jugendorganisation mit Bezügen zur persischsprachigen Community in Deutschland werden kann. 

Ich sehe es schon kommen, eine Menge Möglichkeiten und Ideen für zukünftige Kooperationen.

Es war so wie es war, eine unvergessliche Begegnung! Und ein Wiedersehen ist garantiert. 

Danke euch vom Herzen Team ARI! Und bis zum nächsten Jugendtreff! 

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